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Die Route

Hanau – Bremerhaven – New York – Los Angeles

Nach der Amerika-Umrundung 2004 wollte ich dieses Mal das ‚Heartland' erkunden, also durch die Mitte der USA fahren. Und die Reise sollte quasi vor der Haustür beginnen. So stieg ich mit meinem Schulfreund Matthias für die erste Etappe bis nach Bremerhaven in Hanau am 22. April aufs Rad. Wir wählten Radwege durch die Flusstäler bis nach Norden und erreichten die Nordseeküste sechs Tage später.

Dann nahm ich ein Frachtschiff, das mich mit Zwischenstopps in England, Belgien und Frankreich in zwei Wochen über den Atlantik bis nach New York bringen sollte. Ich wählte diese Anreise, weil ich langsam, entschleunigt ankommen wollte und genoss die Zeit an Deck und in meiner geräumigen Kajüte sehr.

Drei Tage nach der Ankunft Mitte Mai verließ ich New York, fuhr über Philadelphia nach Virginia in die Appalachen zum Shenandoah Nationalpark, danach runter ins Tal und Richtung Tennessee. Anfang Juni erreichte ich Nashville, gerade rechtzeitig zum CMA Music Festival. Vorn dort ging's weiter nach Dyess, Arkansas, wo Johnny Cash aufwuchs.

Den weiteren Routenverlauf entschied ich von nun an kurzfristig mit einem Blick auf die Karten aus einem Straßenatlas. Kein Navi, kein GPS, die Highways im Mittleren Westen verlaufen ohnehin sehr übersichtlich. Ich überquerte den Mississippi, verweilte um den 4. Juli, Independence Day, kurz in Branson, Missouri und habe danach Kansas ganz im Süden durchquert.

Auch in Colorado blieb ich im Süden des Staates, kämpfte mich über die Pässe der Rocky Mountains und erreichte auf über 3000 Metern die kontinentale Wasserscheide in Amerika. Danach entschied ich mich zur Weiterfahrt durch Utah, folgte den Straßen zum Glen Canyon, Colorado River und Capitol Reef Nationalpark und radelte nun weiter nach Norden, um den Highway 50 zu erreichen.

Der wird in Nevada zur einsamsten Straße Amerikas, der ich mehr als 400 Meilen durch die Hochwüste im spektakulären Great Basin bis nach Reno folgte. Über den Lake Tahoe erreichte ich Kalifornien, den 13. Staat meiner Reise. Weiter ging's nach Sacramento und schließlich mit der Bay Ferry nach San Francisco. Als Zielgerade hatte ich mir den Highway 1 am Pazifik ausgesucht und fuhr wehmütig nach Süden an der Küste entlang bis nach Santa Monica.

Dort am Pier endet die berühmteste Straße der Welt, die Route 66, und hier lag auch mein Ziel. Nach rund 7600 Kilometer, mehr als 50.000 erstrampelten Höhenkilometern und 100 Tagen unterwegs.